IDL Zyklus II

International Dance Laboratory 1997/ 1998

SPUREN DER EINSAMKEIT / TRACES OF SOLITUDE

1997/98 entstand der zweite Teil des "Einsamkeiten-Zyklus" mit den dabei erarbeiteten Performances "dans le ravin de tes yeux – silence" und "Human Protocol".
Geprobt und gearbeitet wurde in Frankreich, Deutschland, Belgien und Österreich – zwei außergewöhnliche Stücke geschaffen, die bei Aufführungen in Wien, Braunschweig und London (Einladung im Rahmen des Festival of Central European Culture) der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Premiere: Bei einer “Marathon-Premiere” am 4. Oktober werden diese beiden Stücke nacheinander aufgeführt.

Konzept und Gesamtleitung: Gül Gürses
Dramaturgie: Hakan Gürses
Produktionsassistenz: Michael Hüttler
Technik: Andreas Pamperl

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Dans le ravin de tes yeux – silence

Auf dem Weg kam ich zu fünf Abgründen.
Am ersten starb ich. Am zweiten werde ich geboren. Am dritten träume ich. Am vierten lüge ich. Am fünften denke ich. Alles geschah nach dem Sprung. Zurück blieb der Raum. Der Berg betrachtet mich weiter an seinem Fuss.
Gegenüber das Tor.

Diese fünf Sequenzen sind das Produkt einer dreimonatigen Suche zweier ChoreographInnen, die - ausegehend von unterschiedlichen Standpunkten - gemeinsam ein harmonisches Ergebnis anstreben. Die vier Tänzer -/Schauspielerinnnen sind ebenfalls als lebendes Ganzes zu betrachten, das sich von unterschiedlichen Charakteren und Erfahrungen nährt. Unsere Zielvorstellung bestand darin, von neuen ästhetischen und konzeptuellen Gesichtspunkten ausegehnd, eine persönliche Arbeitsweise zu finden, um, wie Bildhauer – statt einer Geschichte – ein kinetisches und sensorisches Gefüge, ein Relief herauszuarbeiten.

Weitere Aufführungen: 8. – 11. Oktober 1997, TdA, Wien

Material: Dolores Hulan, Hannes Donabauer, Carlos Delgado, Minou Graf, Irene Borguet-Kalbusch, Guillermo Horta
Regie: Guillermo Horta

Tanz: Dolores Hulan, Hannes Donabauer, Carlos Delgado, Minou Graf
Choreographie: Irene Borguet-Kalbusch, Guillermo Horta
Musik: Pirly Zurstrassen
Stimme und Percussion: Guillermo Horta
Bühnenbild: Kemal Seyhan
Kostüme: Benna Belzer

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Human Protocol

What will be left?
Some say – loneliness, others sense – options...

In this experimental theater performance, the text of Gritt Uldall Jessen is a recycling-mix of fragments from the internet, interviews and self-experiments.

„...anytime I see a demonstration, I mingle with the crowd just to enjoy the feeling of beeing part of something. If somebody asks me something I just smile and look as if I would belong to them. “

Director Jörg Weber uses „post modern confusion“as a style of montage. A lot of small and intense elements are built and then destroyed again.

Aufführungen: 15. – 18. Oktober 1997, TdA, Wien
Tournee: 10. – 11. Juli, London

Konzept, Installation, Regie: Jörg Weber
Text: Gritt Uldall Jessen

Performers: Anna Dworak, Jens Münchow, Oskar Skulstad

Sich alle Möglichkeiten offenhalten, die Erfordernisse der Situation anpassen, die Camouflage-Technik eines Chamäleons zur idealen Eigenschaft wählen. Das hat nichts mit Opportunismus zu tun. Opportunismus ist out - Wohlbefinden ist In. Dem Erreichen dieses Ziels wird alles unterworfen. Und es gelingt.
Das Zeitempfinden schrumpft dabei zu einem "augenblicklich", "hier und jetzt". Vergangenheit und Zukunft hören auf zu existieren, da sie von der allumfassenden Gegenwart verdrängt werden. Wir haben die Zukunft als eine von vielen uns offenstehenden Möglichkeiten in die Gegenwart integriert.
Entscheidungsmöglichkeiten vermehren sich explosiv. Wir leben in einer fast infantilen Welt, in der jede Forderung und jede Möglichkeit. sei es nun hinsichtlich von Lebensstil, Reisen, Geschlechterrollen und Identitäten, beinahe augenblicklich befriedigt werden kann.
Das Wort Geduld taucht im Vokabular des "neuen Menschen" nicht mehr auf – Zeitverschwendung.
Die Eigenschaften der "multiplen Persönlichkeit" (vor kurzem hielt man den Begriff noch für die Definition eines Krankheitsbildes) mutiert zur Conditio sine qua non, zur Spaß-Garantie