1988 BRIEFE AN TARANTA BABU von NAZIM HIKMET

Lyrik in Bewegung

Anlässlich des 25. Todestages des bedeutenden türkischen Lyrikers Nazim Hikmet widmet sich das Theater des Augenblicks dem Frühwerk Hikmets, erstmals in deutscher Sprache, und präsentiert 1988 eine Bühnenfassung von „Taranta Babu“.

Premiere: 6. Mai 1988 in Wien (erstmals in deutscher Sprache)
Weitere Aufführungen: 7. – 22. 05. 1988, Theater im Künstlerhaus, Wien
Tournee: Herbst 1988, durch Dornbirn, Bozen, Lana, Innichen

Idee und Regie: Gül Gürses
Dramaturgie: Hakan Gürses
Schauspiel: Thomas Reisinger
Clown: Sigrid Seberich
Tanz: Susanne Casten, Sigrid Seberich
Musik: Hans Ciric (Tschiritsch), Otto Lechner
Bühnenbild: Andreas Dallinger
Kostüme: Erika Reimer
Masken: Kemal Seyhan
Plakat und Layout: Jale Iğdırlıgil
Fotos: Bernhard Endrich

Über das Stück

Lyrik in Bewegung: damit ist die Herangehensweise gemeint, mit der die türkische Regisseurin Gülsen Gürses aus den Gedichten ein Theaterstück entstehen ließ. Die Gedichte sind konstruiert als "nicht versandte" Briefe eines abessinischen Künstlers an seine Frau in Afrika, in der Zeit der Angriffsvorbereitungen Mussolinis auf Äthiopien. Nach der Verhaftung des Jungen Abessiniers wird das von ihm bewohnte Zimmer von einem italienischen Schriftsteller gemietet. Dieser findet die nicht abgeschickten Briefe in einer Schublade. Beim Lesen der Briefe schläft er ein, und die Inhalte der Briefe fließen in seine Träume. So wurde das Ungeschriebene lebendig und gestaltete sich zu einem audio-visuellen Erlebnis.

„Der größte Dichter, der für die ganze Welt schrieb. Der große Mann, der der ganzen Welt gehörte. Der Patriot, der in seiner Heimat unterdrückt wurde. Es gibt keinen zweiten Nazim im Gedicht des Jahrhunderts. Für mich ist er das Zeichen der Liebe und des Kampfes.”
Pablo Neruda, Santiago, 2. Juli ‘73

… der türkische Dichter, dessen Leben hinter Gittern ruiniert wurde. Sein Werk: soziale Inhalte, ornamentiert in schöner Sprache (Ja, "Menschenlandschaften" - dann diese Zeile mit "brüderlich wie ein Wald" und so …). Er war "ein Riese mit blauen Augen", den man nicht so leicht in die Uniform des "Dichters aus der Dritten Welt" hineinzwingen kann. Der mit den nicht so gut riechenden Gastarbeitern oder mit den chauvinistischen Latin-Lovers aus derselben Umgebung nichts zu tun haben soll. Den man vom Rest der Dritten Welt, mit allem Drum und Dran, zu unterscheiden versucht.
Hakan Gürses